DUO TANDL JÖBSTL
Die beiden Musikerinnen Klaudia Tandl und Gisela Jöbstl erspielten sich mit ihren klar konturierten Interpretationen auf höchstem künstlerischem Niveau internationale Aufmerksamkeit. Sowohl beim 11. Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart als auch beim III. Internationalen Schubert-Wettbewerb Dortmund wurden sie 2018 mit einem Interpretationspreis ausgezeichnet.
Ihre Zusammenarbeit begann im Herbst 2017. Seither verfolgen sie gemeinsam das Ziel, durch das ideale Zusammenspiel von Text, Klavier und Stimme der Genialität der Werke und ihrer Komponist*innen gerecht zu werden. Grenzenlos und gedankenfrei!
Im folgenden Video musizieren die beiden Musikerinnen gemeinsam mit der aufstrebenden Cellistin Antonia Straka das Lied Die Sterne von Pauline Viardot.
Tanzt, tanzt sonst sind wir verloren!
Diese Worte der legendären Choreographin Pina Bausch sind die Inspiration für dieses Liederabendprogramm. Sie vermitteln auf perfekte Weise die essentielle und transformative Kraft der Kunst und ihre tiefe Notwendigkeit für uns Menschen. Der Tanz bildet – durch Text und Musik – den roten Faden durch eine breite Palette von Kunstliedern.
A Flower – ursprünglich von John Cage für eine Choreografie komponiert, die eine welkende Blume zeigt – eröffnet unser erstes Thema: den Danse macabre – den erschütternden Tanz zwischen Mensch und Tod. Dann entführt uns Ravels Vocalise – étude en forme de habanera in Sphären der Liebe und Romantik, doch nach einem Moment des Schwelgens in romantischem Idealismus setzen wir uns mit starren gesellschaftlichen Erwartungen auseinander, die möglicherweise mehr Schaden als Nutzen bringen.
Im dritten Teil verlassen wir die Welt des Irdischen, um zwischen den Sternen zu tanzen und die Ruhe der Schwerelosigkeit zu erleben, die uns Messiaens Vocalise vermittelt. Mit Piccola Serenata kehren wir schließlich zur Lebensfreude zurück – einer humorvollen Hommage an Bewegung, Freude und den menschlichen Geist.
Konzept @Gisela Jöbstl
Schubert und seine Zeitgenossinnen
Dieser Liederabend mit Lesung widmet sich dem feinsinnigen Zusammenspiel von Franz Schuberts Liedkunst und den Gedanken seiner weiblichen Zeitgenossinnen: Bettina von Arnim, Louise Aston, Helmina von Chézy, Karoline von Günderrode, Karoline Pichler, Susanne von Heyden, Johanna Schopenhauer, Rahel Varnhagen, Ida Pfeiffer Schuberts Schwester Maria Theresia. Sie sind Schriftstellerinnen, Denkerinnen, Beobachterinnen, die inmitten patriarchaler Strukturen nach Ausdruck rangen.
Ihre bewegenden Worte – aus Briefen, Gedichten, autobiographischen Fragmenten – werfen ein neues Licht auf das Denken und Fühlen dieser oft überhörten Persönlichkeiten. In ihnen spiegelt sich ein Lebensgefühl, das ebenso kämpferisch wie verletzlich, leidenschaftlich wie reflektiert, mutig wie intellektuell ist. Schuberts Kompositionen antworten darauf in all ihrer emotionalen Bandbreite: innig, dramatisch, gekränkt, verloren, trauernd, melancholisch, aber auch liebevoll, schwärmerisch und manchmal vielleicht sogar ironisch. Musik und Literatur begegnen sich hier auf Augenhöhe.
So wird dieser Liederabend mehr als eine musikalische Hommage an Franz Schubert. Er öffnet einen Raum für jene weiblichen Perspektiven, die zu oft im Verborgenen blieben und hier leuchten dürfen.
Dieses Programm haben wir letztes Jahr bei der Schubertiade in Atzenbrugg gespielt und die Reaktion vom Publikum war sehr berührend.
Konzept @Gisela Jöbstl
Neue Musik
Johanna DODERER, Ich habe dich gewählt DWV 163, 2024, UA (Else Lasker Schüler)
Margareta FEREK-PETRIC, Liederzirkus, 2017/18
Betsy JOLAS, Plupart du temps, 1949 (Pierre Reverdy)
Christoph RENHART, Drei nautische Stilleben, 2021, EA (Christoph Renhart)
In einem sehr intimen Rahmen präsentierten Gisela Jöbstl und ich ausgewählte Werke, die uns persönlich und künstlerisch besonders wichtig waren. Besonders hervorzuheben war dabei Betsy Jolas, die 2026 ihren 100. Geburtstag feiern wird – wir führten eines ihrer frühen Werke aus dem Jahr 1949 (Plupart du temps) auf. Zudem feierten wir die Uraufführung von Johanna Doderers Lied Ich habe dich gewählt, das eigens für diesen Abend komponiert worden war. Margareta Ferek-Petrics Liederzirkus gab ausschließlich weiblichen Lyrikerinnen eine eindringliche, poetische und starke Stimme. Christoph Renharts vielschichtiger Liederzyklus Drei nautische Stilleben, dessen Text aus seiner eigenen Feder stammt und mir gewidmet ist, erklang am 8.12.25 erstmals in seiner Klavierfassung.